Lehrer von morgen: Reformierte und verlängerte Lehrerausbildung startet im September
Im September 2025 startet an der AHS die reformierte und verlängerte Ausbildung für Kindergärtner/-innen und Primarschullehrer/-innen. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurden wie Neuerungen und Änderungen vorgestellt. Ein Informationsvideo erläutert anschaulich die Entwicklungen.

„Wir haben die Reform und Verlängerung des Studiums auf vier Jahre zum Anlass genommen, das aktuelle Programm auf den Prüfstand zu stellen und den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in den Berufen anzupassen“, schildert Cathérine Mattar, Leiterin des Fachbereichs Bildungswissenschaften an der AHS, das Vorhaben. Bereits 2017 wurde mit dem Projekt an der AHS begonnen, indem die Bedürfnisse der Berufe analysiert und daraufhin ein angepasstes Kompetenzprofil für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen erstellt wurde. Dieses ist seit drei Jahren verankert und bildet das Gerüst der Ausbildung. Ab September steht nun ein Jahr mehr Zeit zur Förderung dieser Kompetenzen zur Verfügung. Dabei wird nich einfach ein Jahr zum bestehenden Studium hinzugefügt, sondern alle vier Studienjahre werden sich verändern.
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Neue Studieninhalte und Vertiefung des Bestehenden
Eine bedeutende Entwicklung ist, dass die aktuellen Zusatzausbildungen in Förderpädagogik in beiden Abteilungen und in der Fremdsprachendidaktik Französisch in der Abteilung Primarstufe in das Grundstudium integriert werden. Mit dem Abschluss des Studiums werden alle Personen die Zulassung besitzen, den Fremdsprachenunterricht in den Grundschulen zu erteilen und als Förderpädagoge oder als Lehrperson im Förderschulwesen zu arbeiten. Die Liste der vertiefenden oder neuen Studieninhalte ist lang: Pädagogische Diagnostik, die Arbeit im multiprofessionellen Team, die Förderung überfachlicher Kompetenzen, Medienpädagogik, politische Bildung und Bildung zur nachhaltigen Entwicklung und die Kommunikation mit Erziehungsberechtigten werden ebenso wie die Stärkung der Lehrer und ihrer persönlichen Ressourcen vertieft in das Studium aufgenommen. Ein aufbauender Masterstudiengang in schulischer Heilpädagogik, der auf den ostbelgischen Bildungssektor zugeschnitten ist, ist in Kooperation mit anderen Universitäten in Planung.
Kurse vom Kinde her gedacht
Die Reform hat auch Auswirkungen auf die Kursbezeichnungen. In Zukunft werden die Studierenden nicht in Kursen „Fachdidaktik Deutsch“ oder „Entwicklungspsychologie“ sitzen, sondern Kursen folgen, die mit ihrem Titel bereits auf die Bedeutung für die schulische Praxis hindeuten: „Kinder gestalten Sprache in Wort und Schrift“, „Kinder nutzen individuelle Lernwege“ oder „Kinder erfahren entwicklungsförderliche Beziehungsgestaltung“. Mit diesen Bezeichnungen wird verdeutlicht, dass alle Kurse vom Kinde her gedacht sind und das Lernen und die Entwicklung der Kinder fokussieren. Die Förderung der Kompetenzen für eine inklusive Schullandschaft ist der AHS besonders wichtig.
Mehr Praktikum in verschiedenen Kontexten
Fast verdoppelt wird der Umfang der Praktika im reformierten Studium. In sechs verschiedenen Praktikumssituationen werden die Studierenden insgesamt 26 Wochen im Praktikum verbringen. Das Mehr an Praktikum führt nicht unbedingt zur Qualitätssteigerung führt: um die Qualität in den ausgeweiteten Praktika zu sichern, wird die Kooperation mit den Schulen in der Region und die Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen, die die Studierenden in den Praktika begleiten, gestärkt. Die AHS ruft Lehrpersonen zur Teilnahme an einer Pilotgruppe auf, die im Konzept der kooperativen Praktika mitwirken möchten. Dabei übernehmen die Studierenden schrittweise Verantwortung in den Klassen, lernen noch gezielter im Co-Planning und Co-Teaching mit den Lehrpersonen und können sich zu Beginn auf das Üben ganz zentraler Aufgaben im Lehrberuf konzentrieren, ein Unterstützungsgerüst, das nach und nach mit zunehmender Praxiserfahrung der Studierenden abgebaut wird.
Innovative Lehr- und Lernformate
Parallel zur inhaltlichen Ausrichtung des Studiums hat sich das Team in Bezug auf die Gestaltung des Hochschulalltags weitergebildet. „Wir möchten an der AHS noch mehr Hochschulfeeling verankern und nicht das Gefühl entstehen lassen, in einer erweiterten Sekundarschule zu sein“, sagt Cornelia Keutgen, Direktorin der AHS. Dazu wurde auch der Studienkalender angepasst, sodass im reformierten Studium mehr Zeit für Eigenarbeit und das eigentliche Studieren verankert wird. Gleichzeitig werden Prüfungsformate und -momente überdacht und Kursformate umgestaltet. Zukünftig wird verstärkt in Blöcken gearbeitet, sodass Studierende sich über einen begrenzteren Zeitraum intensiver mit Inhalten auseinandersetzen können. Neu werden auch Themenwochen und -tage sein, bei denen Themen gebündelt und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden.
Aufnahmeverfahren als eine Zulassungsbedingung
Wer an der AHS im Fachbereich Bildungswissenschaften studieren möchte, wird auch in Zukunft ein Aufnahmeverfahren absolvieren. Dieses besteht weiterhin aus einer Selbstreflexion, einer Prüfung kognitiver und sprachlicher Grundvoraussetzungen und einem Gespräch. Ergänzt werden die Zulassungsbedingungen um den Nachweis des DELF-Diploms in der französischen Sprache: Studierende des Lehramts Kindergarten müssen zu Studienbeginn den Nachweis über das B1-Niveau erbringen, Studierende im Lehramt Primarstufe benötigen den B2-Nachweis.
Freude und Anspannung vor dem Studienstart im September
„Ich spüre in unserem Team viel Motivation und Vorfreude, dass es im September endlich losgeht“, berichtete Cathérine Mattar. Aber auch Anspannung und Unsicherheiten sind zu bemerken: „Natürlich sind wir gespannt, ob wir unsere Visionen so wie geplant umsetzen können. Auch die Durchführung der parallel auslaufenden dreijährigen Studiengänge wird uns bestimmt vor die ein oder andere Herausforderung stellen. Aber es überwiegt ganz klar die Freude über den Start der Umsetzung der Reform“. Dass dazu nicht nur die Hochschule gefordert ist, stellt sie dabei auch klar: „Eine qualitativ hochwertige Ausbildung kann wie bisher nur im Schulterschluss mit den Grundschulen geschehen. Ohne die wichtigen Praxiserfahrungen, für die es ausreichend Praktikumsplätze benötigt, geht es nicht“, so Mattar weiter.
Sie sind Lehrperson im Kindergarten oder in der Primarschule und möchten im nächsten Jahr die ersten Studierenden des reformierten Studiengangs in den Praktika begleiten? Sie haben Lust, neue und andere Wege der Praktikumsgestaltung auszuprobieren und mit Studierenden gemeinsam den Schulalltag zu gestalten? Melden Sie sich zum Pilotprojekt an.